Rechtsprechung Teilkaskoversicherung

Eine Teilkaskoversicherung erfasst bei Einbruch ins Auto auch die durch den Einbruch entstehenden Beschädigungen am Fahrzeug (vgl. AG München, Urteil vom 13.08.2009, AZ: 223106889/09).

Sachverhalt:

Ein Versicherungsnehmer schloss für sein Auto ein Teilkaskoversicherungsverhältnis bei einem Versicherungsunternehmen ab. Dabei umfasste die Teilkaskoversicherung die Zerstörung, den Verlust oder die Beschädigung des Autos, insbesondere auch, wenn diese durch einen Diebstahl herbeigeführt werden. Bei dem Fahrzeug des Versicherungsnehmers handelte es sich um ein Cabriolet. Aus diesem wurde auf einem öffentlichen Parkplatz eine sich im Auto befindende Jacke entwendet. Dabei wurde das Verdeck des Cabriolets aufgeschnitten. Hierdurch entstand dem Versicherungsnehmer ein Schaden am Fahrzeug, der von dem Teilkaskoversicherer nicht erstattet wurde. Dies wurde damit begründet, dass Schäden am Kraftfahrzeug, die bei Diebstahl von nicht versichertem Gepäck entstünden, nicht im Rahmen der Teilkaskoversicherung mitversichert seien.

Problem:

Nach den für das streitgegenständliche Teilkaskoversicherungsverhältnis einschlägigen Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung sind in der Teilkaskoversicherung solche Beschädigungen umfasst, die durch Entwendung, insbesondere durch Diebstahl herbeigeführt werden. Bei diesen Versicherungsbedingungen handelt es sich um Allgemeine Geschäftsbedingungen, die bei Unklarheit so auszulegen sind, wie sie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer bei verständiger Würdigung und aufmerksamer Durchsicht verstehen muss. Entscheidend bei der Auslegung sind der Wortlaut, der verfolgte Zweck und der Sinnzusammenhang.

Problematisch ist also, wie die konkreten Versicherungsbedingungen zu verstehen sind. Deckt die Teilkaskoversicherung nur Schäden am Fahrzeug bei der Entwendung desselben ab, oder sollen allgemein Schäden am Fahrzeug bei einem Diebstahl ersetzt werden?

Entscheidung:

Das Amtsgericht München verurteile das Versicherungsunternehmen zur Zahlung des Schadens am Verdeck des Cabriolets. In der Begründung des Urteils führte das Amtsgericht München aus, dass nach dem Wortlaut der Versicherungsbedingungen von der Teilkaskoversicherung solche Schädigungen des Fahrzeugs umfasst seien, die durch Diebstahl herbeigeführt würden. Eine Einschränkung, wie sie das Versicherungsunternehmen vornahm, nämlich dass nur solche Beschädigungen umfasst seien, die bei Diebstahl des Fahrzeugs verursacht würden, gäbe der Wortlaut der Versicherungen nicht her. Eine solche Einschränkung ergäbe sich im Rahmen der Auslegung für den durchschnittlichen Versicherungsnehmer bei verständiger Würdigung und aufmerksamer Durchsicht weder aus dem Wortlaut noch aus dem verfolgten Zweck oder erkennbaren Sinnzusammenhang der Versicherungsbedingungen.

Aus diesem Grund sei ein Schaden, der im Zusammenhang eines Diebstahls durch Aufschneiden des Verdecks entstanden ist, zu erstatten.

Fazit:

Sofern bei einem Diebstahl von Gegenständen aus einem Auto auch das Fahrzeug selbst beschädigt wird, um an das Diebesgut zu gelangen, muss eine Teilkaskoversicherung auch den hieraus resultierenden Schaden ersetzen. Abzugrenzen hiervon ist allerdings der reine Vandalismusschaden, der nicht im Zusammenhang mit einem Diebstahl steht. Bei reinem Vandalismus besteht im Rahmen der Teilkaskoversicherung keine Ersatzpflicht.

Zu beachten ist auch, dass der jeweils aus dem Auto entwendete Gegenstand nicht im Rahmen einer Teilkaskoversicherung zu erstatten ist.

Das zitierte Urteil des Amtsgerichts München ist rechtskräftig. Allerdings hat es keinerlei Bindungswirkung für weitere künftige Entscheidungen anderer Gerichte in Deutschland. Insofern bleibt abzuwarten, inwieweit bei ähnlich gelagerten Fällen die Versicherer entsprechend der genannten Entscheidung regulieren werden.

Sollten Sie Fragen konkret zum Teilkaskoversicherungsverhältnis oder anderen versicherungsrechtlichen Themen haben, vereinbaren Sie einfach einen persönlichen Beratungstermin. Unsere Rechtsanwälte stehen Ihnen gerne Rede und Antwort.

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