Arzthaftungsrecht: LASIK-Operation

Eine Laser-Operation am Auge (LASIK-Operation) zur Beseitigung einer normalen Kurzsichtigkeit, die auch ohne weiteres durch das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille zu korrigieren ist, stellt eine kosmetische Operation dar, für die besondere Anforderungen hinsichtlich der Risikoaufklärung des Patienten gelten (vgl. OLG Köln, Beschluss vom 12.08.2009, AZ: 5 U 47/09.

Sachverhalt:

Eine Patientin, die bereits auf einem Auge weitestgehend erblindet war, ließ eine sogenannte LASIK-Operation am anderen Auge durchführen. In Folge des operativen Eingriffes kam es zu einem Prozess, der zu einem erheblichen Verlust der noch vorhandenen Sehfähigkeit am gesunden Auge führte. Es verblieb lediglich eine Restsehfähigkeit von 0,2. Vor diesem Hintergrund machte die Patientin gegen den behandelnden Arzt Schadensersatzansprüche geltend und forderte Schmerzensgeld. Dabei berief sie sich vorrangig darauf, dass eine ordnungsgemäße Risikoaufklärung durch den behandelnden Arzt nicht erfolgt sei.

Problem:

Vor jeder ärztlichen Behandlung muss eine Aufklärung des Patienten in der Art erfolgen, dass dem Patienten Tragweite und Konsequenzen des beabsichtigten Eingriffs vollständig klar sind. Der Patient soll Art und Schwere des Eingriffs erkennen und richtig einordnen können. Die mit der Behandlung verbundenen Vorteile sind gegen die möglichen Risiken abzuwägen und mit dem Patienten zu besprechen. Erfolgt eine Aufklärung nicht oder nicht ordnungsgemäß, so entfällt die rechtfertigende Einwilligung des Patienten zum operativen Eingriff. Bei der Operation handelt es sich dann um eine rechtswidrige, strafbare Körperverletzung, aus der sich Schadensersatzansprüche ergeben können. Ist eine Operation medizinisch nicht zwingend indiziert, sondern dient sie vor allem kosmetischen Bedürfnissen, sind besonders strenge Anforderungen an die ordnungsgemäße Aufklärung des Patienten zu stellen. Ein nur allgemeiner Hinweis auf das Operationsrisiko genügt nicht. Es müssen dem Patienten alle denkbaren Konsequenzen aufgezeigt werden.

Eine Laser-Operation am Auge zur Beseitigung einer normalen Kurzsichtigkeit, die ohne weiteres auch durch das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille zu korrigieren ist und für die weitergehende medizinische Indikation nicht besteht, ist mit einer kosmetischen Operation im Hinblick auf die Anforderungen an die Aufklärung grundsätzlich vergleichbar. Dies bedeutet, dass in einem solchen Fall durch den Arzt besonders umfassend aufgeklärt werden muss.

Entscheidung:

Das OLG Köln stellte in seiner Entscheidung fest, dass die verschärften Anforderungen für kosmetische Operationen bei der vorliegenden LASIK-Operation zur Anwendung kommen. Im konkreten Fall gelangte das Gericht zur Auffassung, dass dem Sicherheitsbedürfnis der Patientin nicht ausreichend sorgfältig Rechnung getragen worden sei. Es hätte konkret im Aufklärungsgespräch angesprochen werden müssen, dass selbst dann, wenn nach aktuellem Befund keine besonderen Anhaltspunkte für eine besondere Gefährdung vorliegen, immer Komplikationen auftreten können, die dann zum endgültigen oder weitgehenden Verlust des Augenlichts führen können. Es hätte durch den behandelnden Arzt deutlich angesprochen und diskutiert werden müssen, dass schon angesichts des vorgerückten Alters der Patientin Erkrankungen auftreten können, die andersartige Operationen nach sich ziehen können und die ein Abwarten oder einen Verzicht auf die LASIK-Operation sinnvoll machen könnten. Auch hätten alternative Behandlungsmöglichkeiten (konservativ statt operativ) besprochen werden müssen und auch eine Aufklärung über den fraglichen dauerhaften Erfolg eines operativen Eingriffes am verbleibenden gesunden Auge erfolgen müssen.

Den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Aufklärung sei im konkreten Fall der behandelnde Arzt nicht gerecht geworden. Da infolge nicht ordnungsgemäßer Aufklärung eine wirksame Einwilligung der Patientin zur Operation nicht vorläge, stelle die Operation einen rechtswidrigen Eingriff dar. Dieser rechtswidrige Eingriff sei ursächlich für den eingetretenen Gesundheitsschaden, den erheblichen Verlust der Sehstärke des linken Auges. Das Gericht sprach deshalb der Patientin Schadensersatzansprüche und Schmerzensgeld zu.

Fazit:

Die Entscheidung des OLG Köln deckt sich mit der herrschenden Rechtsprechung zur Aufklärung von Patienten. Dem Patient ist durch den Arzt eine allgemeine Vorstellung davon zu vermitteln, mit welchen Risiken und Belastungen die Behandlungsmaßnahmen verbunden sind und welchen Schweregrad diese aufweisen. Der Patient ist also über die mit der Durchführung der Behandlung verbundenen „spezifischen Risiken im Großen und Ganzen“ aufzuklären. Je weniger dringlich ein Eingriff und je zweifelhafter die Heilungsaussichten sind, umso weiter gehend hat die Aufklärung über die Risiken der Behandlung zu erfolgen. Wurde eine Aufklärung nicht ordnungsgemäß durchgeführt, liegt also ein Aufklärungsfehler des behandelnden Arztes vor, kommen Schadensersatzansprüche dann in Betracht, wenn der Patient in Folge dieses Fehlers einen Gesundheitsschaden davon getragen hat. Der Arzt haftet jedoch nur dann, wenn sich gerade das Risiko, über welches der Arzt nicht aufgeklärt hat, in dem Gesundheitsschaden des Patienten verwirklicht hat. Hättet der Patient jedoch in jedem Fall – also auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung – die Behandlungsmaßnahme durchführen lassen, entfällt eine Haftung des Arztes. Hierfür ist jedoch der Arzt beweisbelastet.

Bestehen zu dem Themenkomplex der Aufklärungspflichtverletzung Fragen Ihrerseits, steht Ihnen Herr Rechtsanwalt Rößger gerne zu einer ausführlichen Beratung zur Verfügung.

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