Grundsätzliches zum Schadensersatz bei fehlerhafter Beratung zur Kapitalanlage

Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) trifft jeden Anlagevermittler die Pflicht, seinem Kunden eine richtige, vollständige und alle für die jeweilige Investition wichtigen Umstände umfassende Aufklärung und Beratung zu erteilen. Eine schuldhafte Verletzung dieser Pflicht löst Schadensersatzansprüche aus.

Beratungsvertrag

Voraussetzung eines Schadenersatzanspruches ist zunächst das Bestehen des so genannten Beratungsvertrages zwischen Anleger und Vermittler. Wünscht ein Anleger nicht nur die bloße Vermittlung einer ganz bestimmten Kapitalanlage, sondern allgemein eine Beratung zu der Frage, wie er bei Beachtung bestimmter Anlageziele Geld anlegen kann, kann ein Beratungsvertrag auch stillschweigend zu Stande kommen, indem der jeweilige Vermittler auf den Beratungswunsch des Anlegers eingeht und Beratungsleistungen erbringt. Ein schriftlicher Vertrag ist nicht erforderlich und auch eher die Ausnahme.

Verletzung von Beratungspflichten

Der BGH hat auch festgestellt, dass die Beratung des Anlegers im Rahmen eines solchen Beratungsvertrages individuell erfolgen muss. Sie muss sich zum einen – anlegergerecht – an dem Kenntnis- und Wissensstand des Anlegers sowie dessen Anlagezielen und zum anderen auch – objektspezifisch – an der sich aus der jeweiligen Anlageform und dem konkreten Anlageobjekt ergebenden besonderen Umstände und Risiken orientieren.

Konkret bedeutet dies, dass der Vermittler vor der Anlageberatung dazu verpflichtet ist, den Wissensstand des Anlegers über die Anlagegeschäfte der vorgesehenen Art sowie die Risikobereitschaft des Kunden in Erfahrung zu bringen. Auch die Kenntnis der Anlageziele des Anlegers, die Erfahrung des Anlegers mit vergleichbaren Anlagen sowie dessen Vermögensverhältnisse sind wichtige Voraussetzungen für eine anlegergerechte Beratung. Der Vermittler hat also stets abzuklären, ob ein beabsichtigtes Anlagegeschäfte sicheren Geldanlage dienen soll oder eher spekulativen Charakter haben darf. Unter Berücksichtigung dieses Anlageziels sollte die Empfehlung auf die persönlichen Verhältnisse des Anlegers zugeschnitten sein.

Bezüglich des empfohlenen Anlageobjekts muss die Beratung des Vermittlers auf diejenigen Eigenschaften und Risiken abziehen, welche für die jeweilige Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind. So ist zum Beispiel der Anleger über allgemeine Marktrisiken wie Konjunkturlage, Entwicklung des Marktes und auch individuelle Eigenschaften der Anlage – beispielsweise ein Totalverlustrisiko – zu informieren. Sämtliche Informationen müssen vollständig und zeitnah vor der Anlageentscheidung erteilt werden.

Den genannten Pflichten kommt der Vermittler nicht nach, indem er dem Anleger schriftliches Informationsmaterial überlässt, anhand dessen der Kunde sich die erforderlichen Informationen selbst verschaffen kann. Auch hier ist eine mündliche Erläuterung der wichtigsten Punkte erforderlich.

Schadensersatz

Hat ein Vermittler die genannten Pflichten aus einem Beratungsvertrag verletzt, können dem Anleger Schadensersatzansprüche zustehen.

Der Anleger kann in diesem Fall regelmäßig zwischen zwei Arten des Schadensausgleichs wählen. Er kann zum einen die Kapitalanlage behalten und den Ersatz der durch das Verschulden des anderen Teils veranlassten Mehraufwendungen fordern. Alternativ kann er verlangen, so gestellt zu werden, wie er gestanden hätte, wenn er die Kapitalanlage nicht erworben hätte. Hätte der Anleger die Kapitalanlage bei ordnungsgemäßer Aufklärung nicht erworben, sind ihm sämtliche für den Erwerb erforderlichen Kosten zu ersetzen. Zusätzlich kann er entgangenen Gewinn verlangen, d.h. den Betrag, den er erzielt hätte, wenn er die Investitionssumme zu einem allgemein üblichen Zinssatz angelegt hätte.

Fühlen Sie sich im Zusammenhang mit einer Investition oder Kapitalanlage unzureichend bzw. fehlerhaft beraten, steht Herr Rechtsanwalt Rößger gerne zu einer Erstberatung zur Verfügung, um das Bestehen von Schadensersatzansprüchen näher zu überprüfen.

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